Deutsch Intern
Chair of Geomorphology

Stauseen als Archiv anthropogener Einflüsse auf die Landschaft im letzten Jahrhundert

Der Mensch übt seit Jahrtausenden einen prägenden Einfluss auf die Landschaft aus. Seit dem Beginn der Industrialisierung und insbesondere seit der Mitte des 20. Jahrhunderts hat sich dieser Einfluss global nochmals deutlich verstärkt. Im Anthropozän ist der Mensch zum bestimmenden Gestalter der Landschaft geworden. Dies manifestiert sich deutlich in seinem Einfluss auf den Sedimentkreislauf. Während eine intensivere Landwirtschaft, die Abholzung von Wäldern sowie der Bergbau zu einer Zunahme des Sedimenttransportes in den Flüssen geführt haben, resultiert der Bau von Stauseen in einem Sedimentdefizit flussabwärts. Stauseen bilden aufgrund ihrer hohen Akkumulationsrate und ihrer ungestörten Sedimentationsbedingungen ein hervorragendes Landschaftsarchiv. Viele anthropogen freigesetzte Schadstoffe, wie z. B. Schwermetalle, Plastik oder langlebige organische Schadstoffe, werden in diesen Sedimenten gespeichert.

Aufbauend auf dem Vorgängerprojekt 115 Jahre Sedimentation in der Urfttalsperre, sollen im Projekt AReS - Anthropogenic signatures in reservoir sediments: the past century (AReS) Sedimentationsraten sowie die Schadstoffbelastung in fünf Stauseen der nördlichen Eifel erfasst und die zugehörigen Ursachen in den Einzugsgebieten identifiziert werden. Dies wird auch zu einem besseren Verständnis der Reaktion der Landschaft auf den Klimawandel beitragen. Das DFG-geförderte Projekt beginn im April 2026.

Für die Erfassung des Schadstoffeintrages werden aus den Stauseen mehrere Bohrkerne gewonnen. Diese werden auf ihre sedimentologische und geochemische Zusammensetzung analysiert. Aufgrund der langen Bergbaugeschichte der nördlichen Eifel, liegt der Fokus auf den Schwermetallkkonzentrationen. Ein Schwerpunkt der Forschungen ist ein Vergleich von Stauseen mit intensiver menschlicher Besiedlung im Einzugsgebiet und eher naturbelassenen bzw. bewaldeten Einzugsgebieten. Frühere Untersuchungen an Stauseesedimenten in der Eifel haben einen markanten Rückgang in der Schadstoffbelastung in den letzten 40 Jahren gezeigt. Bis jetzt ist aber ungelöst, ob es sich hierbei um ein lokales oder ein regionales Signal handelt. Ein weiterer Schwerpunkt des Projektes ist die Quantifizierung der Sedimentablagerungen einzelner Flutereignisse. Bis jetzt ist es völlig unklar, wie viel Sediment bei solchen Ereignissen in die Stauseen eingetragen wird. Hierzu sollen ausgewählte Stauseeböden regelmäßig mit einem hochauflösenden terrestrischen LiDAR vermessen werden. Des Weiteren werden die Flutsedimente auf ihre Zusammensetzung untersucht. Ziel ist es, auf Basis dieser Signaturen dann auch vergangene Flutereignisse in den Stauseesedimenten zu erfassen.

Projektteam